Ein Monat später

Langsam schließe ich die Augen

Und der kühle Wind streicht mein Gesicht

Langsam schaue ich dich an

Und mir wird bewusst wie viel ich brauche.

Schleichend kommt die Dunkelheit und legt einen grauen Schleier über den Tag.

Allmählich prägen dunkle Gesichter das Licht des Tages.

Und zögernd beginne ich zu begreifen:

Zerbrechlichkeit ist die Farbe des Glücks

Und Zerbrechlichkeit scheint wie die warme Abendsonne am Meer.

Zerbrechlichkeit bist du.

Und ehe ich mich versehe, beginnt eine neue Jahreszeit.

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Am Rand

Mein Körper wurde zu einem Fluss

Und spült mich fort-

Fort und doch bleibe ich

So standhaft wie der kleine Kieselstein am moosbedeckten Rand.

Irgendwie einsam und doch für die Ewigkeit bestimmt, denn Steine vergehen nicht.

Der Fluss fließt schneller.

Dunkle Wolken überdecken den Himmel.

Aus dem Fluss wird eine unaufhaltsame Naturgewalt

Und zieht alles mit sich

Nur das Steinchen bleibt allein.

Meine Hand greift nach dem Kieselstein.

Ich will nicht.

Ich will.

Ich will nicht.

Ich will doch.

Und der Kieselstein landet im Fluss.

Zurück bleibt das Gefühl des Einklangs-

Am Rande des Seins.

Steifer Glaube

Tanzende Menschen

Pochend auf Erleuchtung

Und im Tanz für den Glauben.

Irgendwie steif, wie ein umgeknickter Baumstumpf, der dennoch in der festen Erde verwurzelt ist.

Irgendwie maskenhaft, wie als wäre Düsterheit und Unverständnis in bunten Gewänder gekleidet.

Und doch so eindrücklich, denn sie sind es, die ihrer eigener Existenz einen Ausdruck verleihen.

Voll von geheimen Leben

Voll von lebendigem Glaube

Und dennoch tanze ich dagegen an.

Unbeantwortet

Leer wie die Stille und so tief wie der Sprung in die Leere

Allein wie in Isolationshaft und in Gemeinschaft mit den Einsamen

Verwirrt wie ein Alzheimer-Patient und doch des Zustands bewusst

Auf der Suche wie ein Verirrter im Labyrinth und alle Wege sichtbar

Wer bin ich

Sein

Werden

Bleiben

Gehen

Und wo bin ich gewesen?

Sag es mir, warum bist du stumm, taub und gleichzeitig so laut, dass ich nichts mehr hören will?

Sag es mir und ich werde atmen.

Die Musik des Beifahrers

Das Lied im Radio,

Die Straße befahren

Deine Stimme im Klang meiner Gedanken, die an der Windschutzscheibe kleben und mir dennoch Hoffnung in mein Gesicht wehen.

Das Lied im Radio,

Die Straße leer

Deine Worte, die du zwar leise flüsterst und doch lauter sind als der Motor, wenn du auf das Gaspedal drückst, denn du sagst, du willst gehen.

Schau mich an.

Verfallene, bleiche Gesichter und ein leerer Blick, aus dem die Betäubung klar herauszusehen ist.

Vor mir sitzt ein Paar, dessen Ungewöhnlichkeit direkt heraussticht. Die Frau sieht völlig abgemagert aus, was vor allem daran zu erkennen ist, dass ihre eigentlich eng geschnittene Jeans an ihren dünnen Beinen schlackert und ihre Arme bald durchzubrechen scheinen. Der Mann hingegen hat trotz gesund aussehender Statur ein aufgequollenes Gesicht, in dem einzelne, fettige Haarsträhnen fallen. Seine Klamotten wirken, wie als träge er sie schon seit Ewigkeiten, was vor allem an den Schmutzflecken festzustellen ist.

Plötzlich trifft mein Blick dem des Mannes. Er beginnt amüsiert zu grinsen, zieht daraufhin seine Begleitung fest an sich und drückt seine Lippen auf ihre, auf was sie mit einem lauten Stöhnen reagiert. Der Kuss artet in wildem Rumgeknutsche aus und es ist, wie als wären die Beiden ausgehungerte Tiere, die nur noch einander haben, um zu überleben. Ich schaue zu den Menschen um mich herum, doch diese scheinen abgelenkt, versunken in dem Alltag ihres Lebens und ich beginne mich zu fragen, ob ich dem nicht lieber gleich tun sollte, doch jegliche Versuche scheitern. Meine Augen sind plötzlich unabhängige Organismen, die sich auf dieses unkonventionelle Pärchen festgesetzt haben und nicht woanders hin blicken können. Ich schäme mich und fühle mich von dieser nackten Faszination, die mein Handeln offensichtlich kontrolliert, entblößt.

Und auch die Augen des Mannes scheinen sich erneut auf mich fixiert zu haben. Diese Art des Kontakts ist mir unangenehm, doch er scheint mir etwas mitteilen zu wollen, denn er grinst ein erneutes Mal, steht auf, fordert seine Freundin auf, ihm gleich zu tun und drückt sie gegen das Bahnfenster. Mit zweideutigen Bewegungen seiner Hüfte lässt er sie ein weiteres Mal aufstöhnen, woraufhin sie mit ihrer Zunge an seinem Hals entlang fährt.

Abgestoßen und zugleich angezogen von dieser Szenerie, frage ich mich, was er mir sagen möchte