Die Musik des Beifahrers

Das Lied im Radio,

Die Straße befahren

Deine Stimme im Klang meiner Gedanken, die an der Windschutzscheibe kleben und mir dennoch Hoffnung in mein Gesicht wehen.

Das Lied im Radio,

Die Straße leer

Deine Worte, die du zwar leise flüsterst und doch lauter sind als der Motor, wenn du auf das Gaspedal drückst, denn du sagst, du willst gehen.

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Schau mich an.

Verfallene, bleiche Gesichter und ein leerer Blick, aus dem die Betäubung klar herauszusehen ist.

Vor mir sitzt ein Paar, dessen Ungewöhnlichkeit direkt heraussticht. Die Frau sieht völlig abgemagert aus, was vor allem daran zu erkennen ist, dass ihre eigentlich eng geschnittene Jeans an ihren dünnen Beinen schlackert und ihre Arme bald durchzubrechen scheinen. Der Mann hingegen hat trotz gesund aussehender Statur ein aufgequollenes Gesicht, in dem einzelne, fettige Haarsträhnen fallen. Seine Klamotten wirken, wie als träge er sie schon seit Ewigkeiten, was vor allem an den Schmutzflecken festzustellen ist.

Plötzlich trifft mein Blick dem des Mannes. Er beginnt amüsiert zu grinsen, zieht daraufhin seine Begleitung fest an sich und drückt seine Lippen auf ihre, auf was sie mit einem lauten Stöhnen reagiert. Der Kuss artet in wildem Rumgeknutsche aus und es ist, wie als wären die Beiden ausgehungerte Tiere, die nur noch einander haben, um zu überleben. Ich schaue zu den Menschen um mich herum, doch diese scheinen abgelenkt, versunken in dem Alltag ihres Lebens und ich beginne mich zu fragen, ob ich dem nicht lieber gleich tun sollte, doch jegliche Versuche scheitern. Meine Augen sind plötzlich unabhängige Organismen, die sich auf dieses unkonventionelle Pärchen festgesetzt haben und nicht woanders hin blicken können. Ich schäme mich und fühle mich von dieser nackten Faszination, die mein Handeln offensichtlich kontrolliert, entblößt.

Und auch die Augen des Mannes scheinen sich erneut auf mich fixiert zu haben. Diese Art des Kontakts ist mir unangenehm, doch er scheint mir etwas mitteilen zu wollen, denn er grinst ein erneutes Mal, steht auf, fordert seine Freundin auf, ihm gleich zu tun und drückt sie gegen das Bahnfenster. Mit zweideutigen Bewegungen seiner Hüfte lässt er sie ein weiteres Mal aufstöhnen, woraufhin sie mit ihrer Zunge an seinem Hals entlang fährt.

Abgestoßen und zugleich angezogen von dieser Szenerie, frage ich mich, was er mir sagen möchte

Vielleicht ein Neuanfang/ Neujahrsvorsatz

Nimm den Bus.

Nimm den Zug.

Egal, wo du hinzugehen vermagst, erwarte nicht, dass die Welt mit dir geht. Denkst du etwa, es würde jemanden interessieren, ob du da bist? Die Tage werden länger und du bist immer noch auf der Suche nach dem perfekten Ort.

Du läufst fünf Tage die Woche und erst am sechsten kommst du zum Still-leben. Am siebten Tag kannst du schließlich die Augen schließen und die Furcht ignorieren. Doch wenn du wieder bei Tag eins angekommen bist, ist alles beim Alten, denn selbst die Stille braucht deine Anwesenheit nicht.

Also läufst du weiter- ganze fünf Tage die Woche. Erwarte nicht, dass die Welt mit dir geht. Vielleicht solltest du stehen bleiben.

Also nimm nicht mehr den Bus.

Nimm nicht mehr den Zug.

Der siebte Tag ist vielleicht,

vielleicht ein Neuanfang.

Sowas wie Vogelfrei

Voll Harmonien ist der Flug der Vögel.

Denn sie ziehen über die Länder und die Städte, getrieben von dem Drang des Neuanfangs.

So haben sie immer ein Ausblick auf grenzenlose Freiheit und Bedauern.

Die Freiheit der Vögel besteht darin, jederzeit davon fliegen zu können und den Alltag zu Erinnerungen der letzten Woche werden zu lassen. Dennoch gibt es ein Bedauern, denn sie werden nie an einem Ort bleiben können.

So verlangt es die Freiheit.

Wir bezeichnen den Wind als solchen, weil er weht, doch gibt es noch ein Wind, wenn dem nicht mehr so ist?

Wir kennen den Begriff der Freiheit, doch existiert sie, wenn wir sie nicht fühlen können?

Ich sehe in den Himmel und die Antwort steht in den Sternen.

Gleichwohl kann ich meinen Blick nicht abwenden, denn nichts wünscht‘ ich mir mehr als zu den Harmonien der Vögel zu gehören.

Du im Schein der Anderen

Ich bin in zwei gespalten.

Und es ist die Dummheit, die mich treibt, während mein Verstand voller Imprust danach fleht kehrt zu machen und mich zu entfernen- mich von ihm zu entfernen. Das Umfeld schreit mit, zieht mich an meinen Gliedmaßen zurück, doch er steht auf der anderen Seite und singt die Lieder meiner Hoffnung und über meiner Liebe zur Liebe.

Die alten Mythen erzählen von Seehexen, die die Seemänner mit ihrer teuflischen Schönheit und dem lieblichen Klang ihrer Stimmen ins Verderben reißen.

Vielleicht bist du meine Seehexe, vielleicht aber auch nicht.

Dieses Unwissen bringt mich ins Wanken und im Takt deiner Worte reiße ich mich langsam von den Warnungen meiner mich Liebenden und gebe der Dummheit eine Chance.

Du ziehst mich zu dir und ich lasse es zu.

Du tust mir weh und ich lasse es geschehen.

Du kehrst mir den Rücken zu und ich bleibe stehen.

Ich weiß nicht wieso, doch ich lasse dich gehen.

So könnte es kommen, so muss es nicht kommen.

Ich rieche die Gefahr und sehe dennoch die Hoffnung in der Hoffnung, dass sich die Dummheit zu einer sich bewahrheiteten Vision entpuppt.

Ich bin in zwei gespalten, doch selbst die zweite Hälfte fühlt sich zu ihm- zu dir hingezogen.

Alle sagen, du seist die Verkörperung der Enttäuschung.

Du sagst, du seist nicht fehlerlos, doch das Bild, das sie malen sei reine Fiktion.

Und ich glaube den Anderen und doch glaube ich dir.

Wie ich dich aus meinem Leben rauchte

Inspiriert von Damien Rice-Cheers Darlin‘

Lass uns anstoßen und darauf trinken, wie gut du dich mit deinem Neuem verstehst.

Du gabst mir mir deine Zigarettenpackung, um meinen Schmerz mit der Rauchwolke davon ziehen zu lassen.

Was bin ich denn noch für dich?

Bin ich eine flüchtige Erinnerung deiner Vergangenheit?

Lass uns darauf anstoßen, wie es einmal war.

-Wie es war als wir zum ersten Mal sahen.

Wie es war als ich den Geschmack süßen Traubensaftes auf deinen Lippen schmeckte und deine Hände an meinem Körper spürte. Es hat sich in mir eingebrannt- wie die fackelnde Kerze in jener tiefen Nacht- in der Nacht, in der du mir von ihm erzähltest.

Lass uns darauf anstoßen, dass deine Hochzeitsglocken meinen Wecker ersetzt haben, denn sie holen mich Tag zu Tag aus meinen Träumen.

Lass uns darauf anstoßen, dass sich die Weise wie du seinen Namen sagst in mein Gehör gräbt und als leises Geflüster nachhallt.

Was jedoch viel schlimmer ist, ist dass ich nicht mehr weiß, was ich ohne dich bin. Du gingst und hinterließt eine Zigerettenpackung und den Nachgeschmack einer Flasche Traubensaft, doch was ist mit dem Gefühl, das ich vorher hatte?

Du nahmst es mit dir.

Du sagst, all das sei kein Anlass zum Trinken, doch ich schenke uns die letzten Tropfen des süßlichen Traubensaftes ein und halte mein Glas in die Luft.

Lass uns darauf anstoßen, dass du fort bist- weit genug, um dich aus meinem Leben zu rauchen und mich deine flüchtige Erinnerung der Vergangenheit werden zu lassen .