Ein Abschied für immer?

Du stehst vor mir.
Mit Tränen im Augenwinkel und dem Koffer in der Hand wartest du auf den Zug in Richtung fremder Zukunft.

Ich konnte nur schwer atmen. Die kalte Luft schmerzte in meiner Lunge. Es erwartete uns ein Abschied. Ich wusste, dass Abschiede zum Leben dazugehörten, doch das Ganze ließ mich dennoch nicht kalt.
Wie sehr du mir ans Herz gewachsen warst, merkte ich erst in diesem Moment. Ich befürchtete, dass du beim Verlassen ein Teil meiner Selbst mit dir nehmen- und eine dauerhafte Leere hinterlassen würdest. Ich hatte keine Ahnung mit was – oder besser gesagt wer diese Leere wieder aufüllen könnte.
Ich erschauderte.
Ein schrecklicher Gedanke kam mir in den Sinn.
Was, wenn ich dich nie wieder mehr säe?
Wenn du nur noch in meinen Erinnerungen existieren- und nie wieder in meiner Gegenwart auftauchen würdest?
Die furchterregende Spekulationen lösten in mir eine plötzliche Lawine des Panikgefühls aus. Ich versuchte meine Gedanken in eine andere Richtung zu lenken, doch mir wurde auf einmal bewusst wie hilflos die Situation war.
Du würdest mich so oder so verlassen und ich hatte Nichts, was ich dagegen hätte machen können.
Meine Kehle schnürte sich zu.
Mein Magen zog sich zusammen.

Ich blicke dir in deine mir so vertrauten Augen.
„Wird das ein Abschied für immer?“, frage ich. Du lächelst zaghaft. Du hast schließlich nicht vor, dass dir Tränen entrinnen.
„Ich weiß nicht.“, hauchst du und zuckst die Schultern.
Der Zug rauscht an uns vorbei. Die Bremsen ächzen und kreischen. Du nimmst dein Gepäck, umarmst mich das letzte Mal und steigst in deine zukünftige Gegenwart.
Du drehst dich noch einmal um. „Auf Wiedersehen.“, formst du mit deinen Lippen. Dann verschwindest du im Ungewissen und lässt mich mit meinem Schmerz des Abschiedes alleine.
Die Türen schließen sich. Für immer.
Der Zug fährt los. Der Fahrtwind schießt an mir vorbei und treibt mir Tränen in die Augen.
Ich sehe dir hinterher.
Sehe, wie du immer kleiner und kleiner wirst und schließlich –
schließlich nicht mehr da bist.
Es war, wie als hätte dich der Nebel deiner ungewissen Zukunft verschluckt.
Dich verschwinden lassen.

Ich sah dich nie wieder mehr.
Denn anscheinend war es doch ein Abschied für immer.

 

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